Nichia-COBs, Infos und Wissenswertes

Schaltungen, Widerstände, Spannung, Strom, ...

Moderator: T.Hoffmann

Nichia-COBs, Infos und Wissenswertes

Beitrag am Mo, 24.11.14, 12:44 (12 Bewertungen, 90 Sterne)

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Ich habe mal einige Infos zu den Nichia COB-Modulen zusammengestellt. Hoffe, das ist schon mal hilfreich. Meine Idee wäre, dass auch andere Forenmitglieder ihre Erfahrungen, Ideen und ggf. Korrekturen beisteuern. Damit hätte man einen Thread, der das Thema Nichia-COBs möglichst vollständig behandelt.

Die COB-Module
Vorteil von COB-Modulen ist der extrem geringe Verdrahtungsaufwand. Mit den Nichia-Modulen sind erstmals COB-Module auf dem Markt, die einen hohen Lichtstrom bei guter Effizienz und gleichzeitig sehr guter Farbwiedergabe zu einem relativ günstigen Preis ermöglichen.

Die COB-Module von Nichia lassen sich in 2 Serien unterteilen: die L-Serie und die J-Serie. Die Serienbezeichnung bezieht sich hierbei auf den 5. Buchstaben in der Typenbezeichnung. Beispiel: NSBWL121A.

Beide Serien sind sowohl in warmweißer (2700 K) als auch neutralweißer (5000 K) Ausführung erhältlich. Die Farbtemperatur kann man dem 4. Buchstaben der Typenbezeichnung entnehmen. Hier steht ein „L“ (Low) für warmweiß, ein „W“ („White“) für neutralweiß.

Ebenso sind beide Serien mit einem CRI von >80 Ra(typisch: 83 Ra) und >90 Ra (typisch: 93 Ra) erhältlich. Angeboten werden schlicht und einfach unterschiedliche Binnings. >80 Ra entspricht dabei dem Binning R8000, >90 Ra dem Binning R9000. Hier gilt: das Binning R9000 hat eine niedrigere Effizienz und damit bei gleicher Leistung einen (ca. 15%) geringeren Lichtstrom. Das bedeutet aber nicht, dass das R9000er-Binning einen schlechteren Wirkungsgrad hat, also weniger elektrische Energie in Licht umwandelt. Vielmehr ist es so, dass der Spektralbereich der R9000er-Serie breiter gestreut ist und damit mehr Licht in Spektralbereichen aussendet, die vom menschlichen Auge mit deutlich verminderter Intensität wahrgenommen werden.

Die Spektralverteilung im Vergleich:

Bild01 Spektralkurven.jpg


Für welche Serie man sich konkret entscheidet, hängt von der Beleuchtungsaufgabe ab. Für allgemeine Beleuchtungszwecke inklusive Wohnraumbeleuchtungen bietet bereits das R8000er-Binning eine hervorragende Farbwiedergabe. Bei kritischen Beleuchtungssituationen wie Fotographie oder Beleuchtung eines Schminkspiegels ist das R9000er-Binning die richtige Wahl.

Alle Module haben einen Öffnungswinkel von 120°.

Die L-Serie ist in verschiedenen Leistungsklassen erhältlich und besteht aus einem Array aus entweder 36, 66, 110 oder 121 LEDs. Die Anzahl der LEDs lässt sich aus den Ziffern in der Typenbezeichnung ablesen. Das LED-Array ist dabei kreisförmig auf einem rechteckigen weißen Keramikträger aufgebracht. Der elektrische Anschluss erfolgt über zwei vergoldete Lötflächen mit den Abmessungen 3,5 mm x 1,5 mm. Die äußeren Abmessungen des Keramikträgers sowie die Position und Größe der Lötflächen sind dabei bei allen Modulen der L-Serie identisch. Lediglich der Durchmesser des LED-Arrays variiert innerhalb der Serie.
Die Maßzeichnung der L-Serie am Beispiel des NSBWL121A (alle Maßangaben in mm):

Bild02 Abmessungen 121er.jpg
Bild02 Abmessungen 121er.jpg (35.84 KIB) 15174-mal betrachtet


Die J-Serie besteht aus einem Array von 216 LEDs. Dadurch sind die mechanischen Abmessungen des Keramikträgers etwas größer:

Bild03 Abmessungen 216er.jpg
Bild03 Abmessungen 216er.jpg (30 KIB) 15174-mal betrachtet


Hier zum Vergleich ein Foto der Module NSBWL121A (links) und NSCWJ216A (rechts):

Bild04 Modulvergleich.jpg
Bild04 Modulvergleich.jpg (23.06 KIB) 15174-mal betrachtet


Die verfügbaren Typen mit den wichtigsten Kenndaten:

Bild05 Tabelle COBs.jpg


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Hinweis:
Aktuelle Tabelle (Stand April 2017) siehe unteren Post vom 7.4.2017
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Auswahlkriterien
Die Wahl der Farbtemperatur ist bei allgemeinen Beleuchtungsaufgaben in der Wohnung in erster Linie Geschmackssache. Eine Farbtemperatur von 2700 K (warmweiss) entspricht sehr genau der Farbtemperatur einer 60 W Glühbirne. Eine Farbtemperatur von 5000 K (neutralweiss) kommt sehr nahe an die Farbtemperatur des Sonnenlichts am Vormittag bzw. Nachmittag (5500 K) heran. Für Arbeitszimmer, Büros oder Werkstatt ist deshalb neutralweißes Licht vorzuziehen.

Allerdings sollte bei der Planung auch der Kruithoffsche Behaglichkeitsbereich beachtet werden:

Bild06 Kruithoff.jpg


Eine Farbtemperatur von 2700 K sollte man nur dann wählen, wenn die dadurch erzeugte Beleuchtungsstärke bei unter 500 Lux bleibt. Umgekehrt sollte man eine Farbtemperatur von 5000 K nur dann wählen, wenn die erzielte Beleuchtungsstärke 300 Lux überschreitet. Warmweißes Licht mit höheren Beleuchtungsstärken bzw. neutralweißes Licht mit niedrigeren Beleuchtungsstärken können unnatürlich und dadurch unbehaglich wirken.
Siehe auch http://www.bbr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffe ... onFile&v=2 auf Seite 8.

Häufig kommen bei der Planung einer Leuchtezwei Module in Frage.
Nehmen wir z.B. an, man möchte ein neutralweißes Modul mit einem CRI von >80 Ra mit einem Strom von 350 mA betreiben. In der Tabelle erkennen wir, dass das NSBWL066A geeignet wäre. Der Nennstrom beträgt hier 320 mA, bei Betrieb mit 350 mA wird das Modul folglich um 9% überbestromt. Die LED-Leistung beträgt dann 11,5 W bei einer Effizienz von ca. 125 lm/W. Daraus resultiert im Idealfall ein Lichtstrom von 1437 lm. Dieser Lichtstrom würde bei einer Kühlkörpertemperatur von 25°C erreicht werden. Bei einer Kühlkörpertemperatur von 60°C sinkt der Lichtstrom auf etwa 94% ab. Der zu erwartende reale Lichtstrom liegt daher bei 1350 lm, was wiederum einer Effizienz von 117 lm/W entspricht.
Möglich ist aber auch die Verwendung eines NSBWL121A. Hier beträgt der Nennstrom 587 mA. Mit 350 mA wird das Modul damit um 40% unterbestromt. Aus dem Kurzdatenblatt geht hervor, dass die Effizienz bei diesem Strom 139 lm/W beträgt. Gleichzeitig sinkt die Vorwärtsspannung des Moduls auf 31 V. Die LED-Leistung liegt daher bei 10,9 W. Daraus ergibt sich ein idealer Lichtstrom von 1515 lm, Korrigiert auf 94% sind das folglich 1424 lm bei 130 lm/W.
Ein Mehrpreis von 6€ bewirkt also eine Steigerung des Lichtstroms bei gleichzeitig verminderter Leistungsaufnahme.

Anders sieht der Fall bei höheren Leistungen aus. Je höher die LED-Leistung wird, desto schwieriger wird es, für eine ausreichende passive Kühlung zu sorgen.

Auch hierzu ein Beispiel:
Ein Modul soll mit 700 mA betrieben werden. Verwendbar wäre hier anscheinend ein NSBWL121A. Der Nennstrom beträgt 587 mA, das Modul würde also um 20% überbestromt. Die Effizienz würde dadurch nur noch bei ca. 120 lm/W liegen. Bei einer Vorwärtsspannung von ca. 34 V beträgt die LED-Leistung 23,8 W bei einem Lichtstrom von 2850 lm.
Hier sollte aber auch unbedingt der Wärmewiederstand des Moduls betrachtet werden. Dem Herstellerdatenblatt entnehmen wir einen Wert von 1,4 K/W. Damit liegt die Chiptemperatur folglich 33°C über der Kühlkörpertemperatur. Bei 60°C Kühlkörpertemperatur beträgt die Chiptemperatur folglich bereit 93°C, bei 80°C Kühlkörpertemperatur ergeben sich bereits 113°C Chiptemperatur. Erlaubt sind maximal 130°C, wir würden uns also bereits im Grenzbereich des Erlaubten bewegen.
Wird hier als Modul das NSCWJ216A verwendet, ergeben sich deutliche Unterschiede. Dieses Modul hat einen Nennstrom von 960 mA und wird damit um 27% unterbestromt. Anhand des Kurzdatenblatts können wir die Effizienz bei 700 mA abschätzen; sie liegt bei etwa 140 lm/W. Auch bei diesem Modul liegt die Vorwärtsspannung bei 34 V, die Leistungsaufnahme ist also identisch. Daraus ergibt sich ein Lichtstrom von 3330 lm.
Dem Herstellerdatenblatt entnehmen wir einen Wärmewiderstand des Moduls von 0,9 K/W. Damit liegt die Chiptemperatur des Moduls 21°C über der Kühlkörpertemperatur. Die Chiptemperatur bleibt also bei gleicher Leistungsaufnahme 12°C unter der des NSBWL121A.
In diesem Beispiel wäre also sowohl aus Gründen der Effizienz als auch wegen der niedrigeren Temperatur das NSCWJ216A die bessere Wahl.


Geeignete Konstantstromquellen
Nachfolgend eine Auswahl geeigneter KSQs des Herstellers Meanwell mit den wichtigsten Kenndaten. Die Preise beziehen sich auf die Firma elpro. Auf die dort angegebenen Nettopreise ist die Mehrwertsteuer in der Tabelle bereits berücksichtigt. Stand der Preise ist November 2014.

KSQs.jpg


Die letzten drei KSQs in der Tabelle eignen sich für eine Reihenschaltung mehrerer COB-Module. Link zu elpro:
http://www.elpro.org/shop/shop.php?q=SCW12A-12

3 KSQs im Größenvergleich:

KSQ Größenvergleich.jpg
KSQ Größenvergleich.jpg (56.95 KIB) 15174-mal betrachtet


Temperaturmanagement
Bei COB-Modulen entsteht im Betrieb eine relativ große Wärmeleistung auf sehr kleinem Raum. Eine Wärmeabfuhr über Bleche oder Aluminiumprofile ist daher nicht möglich. Deshalb ist es zwingend erforderlich, geeignete Kühlkörper einzusetzen. Bei der Montage auf einem Kühlkörper ist ein optimaler thermischer Kontakt zwischen COB-Modul und Kühlkörper notwendig. Sehr gut geeignet ist hierfür der Wärmeleitkleber Arctic Silver. Im Hinblick auf die Lebenserwartung der COB-Module spricht nichts gegen eine dauerhafte Klebeverbindung.

Geeignete Kühlkörper sind z.B. der SK 572 25 SA (links) und der SK 584 25 SA (rechts).

Bild08 SK-Serie.jpg
Bild08 SK-Serie.jpg (36.67 KIB) 15174-mal betrachtet


Vorteil dieser Kühlkörperserie von Fischerelektronik ist das speziell für Leistungs-LEDs entworfene Design. Aufgrund der runden Bauform und der geschwungenen Kühlrippen lassen sich diese Kühlkörper leicht und optisch ansprechend in einen Leuchtenkopf integrieren.

Ebenfalls gut geeignet sind die Kühlkörper ModuLED9950 und ModuLED9980 der Firma MechaTronix. Mit dem ModulLED9980 kann ein NSCWJ216A mit einem Strom von 1400 mA betrieben werden.

Bild09 9980.jpg
Bild09 9980.jpg (39.17 KIB) 15174-mal betrachtet


Link zu den Kühlkörpern:
http://www.elpro.org/shop/shop.php?q=ModuLED9980-B

Selbstverständlich lassen sich auch rechteckige Kühlkörper, wie sie für Leistungstransistoren etc. verwendet werden, einsetzen.

Auf einem SK 572 25 SA betreibe ich ein Modul NSBWL121A (>80 Ra) mit einem Strom von 350 mA. Der Kühlkörper erreicht bei einer Umgebungstemperatur von 25°C ca. 44°C. Vorteil der Unterbestromung ist hierbei die höhere Effizienz von 139 lm/W bei einem Lichtstrom von immer noch gut 1500 lm.

Auf einem SK 584 25 SA wird das gleiche Modul mit einem Strom von 550 mA betrieben. Der Kühlkörper erreicht hierbei im Dauerbetrieb eine Temperatur von 49°C. Damit verbleibt noch ausreichend Reserve, um das Modul auch mit 700 mA zu betreiben. In diesem Fall wird die Kühlkörpertemperatur bei ca. 60°C liegen.

Abschließend noch ein Hinweis:
Mit den Angaben zum Wärmewiderstand von Kühlkörpern mit Kühlrippen sollte man vorsichtig umgehen. Weder aus dem jeweiligen Datenblatt noch aus den Herstellerseiten geht hervor, bei welcher Kühlkörpertemperatur der Wärmewiderstand ermittelt wurde. Auf der Internetseite von Fischerelektronik wird ein PDF-Dokument zur Kühlkörperberechnung angeboten. Auf Seite 4 dieses Dokuments werden Messmethode und Messaufbau zur Bestimmung des Wärmewiderstands beschrieben; allerdings auch hier ohne Angaben zur Temperatur des Kühlkörpers. Auf dieser Seite ist aber auch ein Foto eines Messaufbaus abgebildet. Darauf lässt sich eine Kühlkörpertemperatur von 116,8°C ablesen. Für unsere COB-Module würde diese Temperatur bereits den sicheren Tod bedeuten.

Je größer der Temperaturunterschied zwischen Kühlkörper und Umgebungsluft, desto stärker ist die Konvektion an den Kühlrippen und damit der Wärmetransport durch die Luft. Leistungshalbleiter auf Siliziumbasis wie z.B. Leistungstransistoren werden normalerweise bei einer deutlich höheren Kühlkörpertemperatur betrieben, als dies bei LEDs gewünscht ist. Bei einer Kühlkörpertemperatur von unter 60°C ist der Wärmewiderstand eines Kühlkörpers deutlich größer als auf der auf der Produktseite angegebene Wert.

Konkretes Beispiel:
Beim Kühlkörper SK 584 25 SA wird der Wärmewiderstand auf der Produktseite mit 1,4 K/W angegeben. Beim NSBWL121A wird bei einem Strom von 550 mA eine Leistung von 18 W umgesetzt. Das Modul hat dabei eine Effizienz von 130 lm/W. Das entspricht einem elektrischen Wirkungsgrad von ca. 33%, d.h. es werden 67% der Leistung in Wärme umgewandelt. Das wiederum entspricht einer Leistung von 12 W. Die Kühlkörpertemperatur müsste daher ca. 16,8°C über der Umgebungstemperatur liegen, was einer Temperatur von knapp 42°C entspricht. Tatsächlich habe ich aber 49°C gemessen, die Temperaturdifferenz beträgt also in der Praxis 24°C, was einem Wärmewiderstand von 2 K/W entspricht!
In der Praxis umgehe ich dieses Problem einfach, indem ich nicht mit der tatsächlichen Wärmeleistung, sondern mit der vollen LED-Leistung (in diesem Beispiel also 18W) rechne.
Eine Ausnahme bilden hier die Kühlkörper von MechaTronix. Hier wird im Datenblatt auf Seite 4 sowohl in tabellarischer als auch in grafischer Form der Wärmewiderstand in Abhängigkeit von der zugeführten Wärmeleistung aufgeführt. Dadurch lässt sich so die tatsächliche Kühlkörpertemperatur bereits beim Entwurf einer Leuchte ausreichend gut abschätzen. Dabei kann man von einem elektrischen Wirkungsgrad der COB-Module von ca. 30% ausgehen.

Montagemöglichkeiten
Zur Montage der COB-Module auf dem Kühlkörper hat man die Wahl zwischen 2 grundsätzlichen Möglichkeiten; man kann die Module mit Wärmeleitkleber auf den Kühlkörper kleben oder mit einer Klemmbefestigung unter Verwendung von Wärmeleitpaste auf dem Kühlkörper fixieren. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile.
Für die von Lumitronix angebotenen Klemmverbindungen für die L-Serie und die J-Serie sprechen leichte Austauschbarkeit der Module sowie der lötfreie Anschluss der KSQ über Klemmverbinder (ähnlich der einfachen Wago-Klemmen).

Bild10 Klemmverbinder.jpg
Bild10 Klemmverbinder.jpg (32.94 KIB) 15174-mal betrachtet


Allerdings bestehen die Kontaktfedern der Klemmverbinder nur aus verzinntem Kupfer, die auf den vergoldeten Kontaktflächen der Module mit leichtem Druck aufliegen. Abhängig von den jeweiligen Umgebungsbedingungen kann es hierbei leicht zur Korrosion der Kontakte kommen.

Einfacher und sicherer ist das Verkleben der Module auf dem Kühlkörper mit Arctic Silver Wärmeleitkleber. Wie so oft gilt dabei auch hier: weniger ist mehr. Je dünner die Klebeschicht ist, desto besser wird die Wärme abgeleitet. Wärmeleitpaste und –kleber haben einen erheblich besseren Wärmewiderstand als Luft; im Vergleich zu Metallen ist dieser Wärmewiderstand allerdings deutlich größer. Aufgabe dieser Materialien ist es, Lufteinschlüsse zu vermeiden und Unebenheiten auf der Oberfläche des Kühlkörpers auszugleichen. Optimal ist eine Schichtstärke von wenigen µm.

Vorbereitung der Module
Bevor die COB-Module auf die Kühlkörper geklebt werden können, müssen die Lötstellen auf den Modulen noch vorbereitet werden. Nach dem Aufkleben wäre dies aufgrund der schnellen Wärmeableitung über das Keramiksubstrat an den Kühlkörper praktisch unmöglich. Die Lötflächen des Moduls sind vergoldet:

Bild11 Lötpad vergoldet.jpg
Bild11 Lötpad vergoldet.jpg (35.96 KIB) 15174-mal betrachtet


Als Korrosionsschutz und für Klemmverbindungen ist dies optimal, für Lötverbindungen eher hinderlich. Beim Aufschmelzen von Lötzinn löst sich das Gold von der Kupferfläche und diffundiert ins Lötzinn. Die Lötstelle wird dadurch matt und sieht etwas körnig aus. Dadurch lässt sich so eine Lötstelle nur schwer von einer kalten Lötstelle unterscheiden.
Mit einem kleinen Trick lässt sich das Gold aber leicht entfernen. Hierzu wird zunächst ein Tropfen Flussmittel auf die Lötflächen gegeben und mit dem Lötkolben ein Tropfen Lötzinn aufgebracht:

Bild12 Lötpad verzinnt.jpg
Bild12 Lötpad verzinnt.jpg (29.13 KIB) 15174-mal betrachtet


Anschließend wird das Lötzinn mit Entlötlitze wieder entfernt. Die Entlötlitze nimmt dabei zusammen mit dem Lötzinn auch das Gold auf.

Bild13 Lötpad Zinn entfernt.jpg
Bild13 Lötpad Zinn entfernt.jpg (38.09 KIB) 15174-mal betrachtet


Die Lötstellen werden mit Brennspiritus oder Isopropylalkohol gereinigt, erneut Flussmittel aufgetragen und mit Lötzinn versehen. Die jetzt aufgetragene Menge an Lötzinn sollte so bemessen sein, dass sie für die endgültige Lötverbindung ausreicht.
Nach abschließender Reinigung ist das Modul soweit vorbereitet:

Bild14 Lötpad neu verzinnt.jpg
Bild14 Lötpad neu verzinnt.jpg (26.57 KIB) 15174-mal betrachtet


Jetzt gibt es 2 Möglichkeiten:
1.: Die Anschlussleitungen können vor dem Aufkleben der Module verlötet werden. Das erlaubt natürlich ideale Lötverbindungen, da noch keine Wärmeableitung durch den Kühlkörper erfolgt. Die auf die passende Länge geschnittenen Kabel werden zunächst abisoliert und verzinnt:

Bild15 Kabel.jpg
Bild15 Kabel.jpg (34.07 KIB) 15174-mal betrachtet


Auf die Lötfläche des COB-Moduls wird jetzt ein Tropfen Flussmittel aufgetragen und das verzinnte Kabelende mit der linken Hand (wenn Rechtshänder) über der Lötfläche positioniert. Die Lötspitze wird am feuchten Schwamm gereinigt und anschließend etwas Lötzinn als Wärmebrücke aufgenommen. Die Lötspitze wird nun flach auf das verzinnte Ende des Kabels aufgelegt. Sobald das Lötzinn auf der Lötfläche des Moduls aufschmilzt (ca. 1 bis 2 Sekunden) wird die Lötspitze entfernt. Nach dem Reinigen sollte das COB-Modul wie folgt aussehen:

Bild16 COB verkabelt.jpg


2.: Die Anschlussleitungen müssen konstruktionsbedingt nach dem Aufkleben des Moduls verlötet werden. In diesem Fall sollte das Kabel etwas großzügiger verzinnt werden. Das Problem beim Löten ist jetzt, dass die zugeführte Wärmeenergie recht schnell über die Keramikfläche des Moduls an den Kühlkörper abgeführt wird. Deshalb muss beim Löten sehr schnell eine relativ große Wärmeenergie übertragen werden. Gute Ergebnisse habe ich mit einer Temperatureinstellung der Lötstation (Weller WHS40D) von 420°C gemacht. Ansonsten ist die Vorgehensweise identisch.

Allgemeine Hinweise
Die COB-Module erzeugen einen sehr hohen Lichtstrom auf einer sehr kleinen Fläche. Das NSBWL121A erzeugt bei Nennstrom z.B. einen Lichtstrom von bis zu 2500 Lumen; dies entspricht einem hochwertigen Halogenstrahler mit einer Leistung von über 150 W.
Bei eigenen Konstruktionen von Leuchten mit diesen COB-Modulen muss man deshalb grundsätzlich dafür sorgen, dass unter normalen Umständen ein direkter Blickkontakt zu den Modulen vermieden wird. Die Blendwirkung wäre enorm. Deshalb ist grundsätzlich ein entsprechender Blendschutz erforderlich.

Aufgrund der relativ großen Leistungsaufnahme der COB-Module ist eine passive Kühlung durch relativ große Kühlkörper erforderlich. Dies bedingt die Verwendung von Kühlkörpern mit entsprechender Masse und damit auch dem erforderlichen Gewicht. Ein SK 572 25 SA wiegt immerhin 230 Gramm, ein SK 584 25 SA bereits 380 Gramm. Dies muss man bei Planungen berücksichtigen, Alu-Flachprofile mit einer Materialstärke von 1,5 mm als Halterung für die Kühlkörper sind z.B. eher nicht geeignet.

Ein leidiges Thema sind passende Reflektoren. Die Module haben einen Abstrahlwinkel von 120°. Meist wird bei Eigenkonstruktionen ein kleinerer Abstrahlwinkel gewünscht, der sich nur über entsprechende Reflektoren erreichen lässt. Die Firma Ledil bietet für jedes Nichia-Modul passende Reflektoren an. Allerdings sind diese in Deutschland praktisch nicht erhältlich.

Hier ist Lumitronix gefragt. Meiner Meinung nach macht es keinen Sinn, diese Module ohne passende Reflektoren anzubieten. Solange hier von Lumitronix noch keine (hoffentlich baldige) Abhilfe geschaffen wurde, kann man sich mit Reflektoren behelfen, die eigentlich für andere Module gedacht sind.

Zumindest für die 121er und die 216er-Serie ist das kein großes Problem. Für die 121er-Serie kann man praktisch jeden Reflektor verwenden, der unten eine Öffnung von 12 mm Durchmesser hat.

Bild17 Reflektor 121er.jpg


Obiges Bild zeigt ein COB-Modul mit einem "Ledil Reflektor 22.6mm für Citizen CL230". Diese Reflektoren werden von Lumitronix inzwischen leider nicht mehr angeboten. Passen sollten aber auch:
http://www.leds.de/High-Power-LEDs/Lins ... -G-36.html und
http://www.leds.de/High-Power-LEDs/Lins ... Reihe.html

Für die 216er-Serie habe ich bereits diese Reflektoren verwendet:
http://www.leds.de/High-Power-LEDs/Lins ... de-48.html

Bild18 Reflektor 212er.jpg


Bei Verwendung von "Fremdreflektoren" muss man gegebenenfalls die Auflage/Halterung mit einer kleinen Feile etwas anpassen. Ausserdem muss man damit rechnen, dass die optischen Eigenschaften leicht abweichen.
Zuletzt geändert von ustoni am Fr, 07.04.17, 18:13, insgesamt 1-mal geändert.
ustoni
 
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Re: Nichia-COBs, Infos und Wissenswertes

Beitrag am Di, 30.12.14, 11:25 (0 Bewertungen, 5 Sterne)

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Hinweis:
In obigem Post habe ich die KSQ-Tabelle um die Spalte "Ripple & Noise (mV)" erweitert.

Hintergrund hierfür war die Tatsache, dass ich bei der einen oder anderen selbst gebauten Leuchte mit Meanwell-KSQs mit einer Digitalkamera ein hochfrequentes Flimmern darstellen konnte. Bei Durchsicht der Datenblätter habe ich dann festgestellt, dass einige KSQs ein ausgangsseitiges Ripple & Noise von bis zu 3,6 V aufweisen.

Das soll aber keinen Ausschließungsgrund darstellen, mit bloßem Auge ist das Flimmern nicht wahrnehmbar.
ustoni
 
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Re: Nichia-COBs, Infos und Wissenswertes

Beitrag am Di, 30.12.14, 19:47 (0 Bewertungen, 0 Sterne)

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Dankeschön!
Ist sehr hilfreich.

Gruß Wolfgang
Rainbow1968
 
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Re: Nichia-COBs, Infos und Wissenswertes

Beitrag am Fr, 07.04.17, 18:10 (2 Bewertungen, 15 Sterne)

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Da die im Originalpost veröffentlichte Tabelle der COBs inzwischen hoffnungslos veraltet ist, hier mal eine Tabelle der aktuellen (Stand: April 2017) COB-Module von Nichia:
COBs.jpg

Bemerkenswert dabei ist die Steigerung der Effizienz. Der elektrische Wirkungsgrad dürfte bei diesen Modulen inzwischen bei knapp 50% bei Nennstrom liegen. Noch besser sieht es bei Unterbestromung (halber Nennstrom) aus, da werden die 50% wohl locker übertroffen.
ustoni
 
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